„Unsere Notaufnahme ist weiterhin für alle da“ - Interview mit Andreas Wilhelm

Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern sind voller denn je. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) will bis Jahresende landesweit 110 Bereitschaftspraxen installieren. Das Konzept: An ausgewählten Standorten werden zentrale Anlaufpraxen eingerichtet, meist an ein Krankenhaus angegliedert – für Patienten, die am Wochenende oder abends mit teils harmlosen Erkrankungen einen Arzt benötigen und deshalb oft eine Notaufnahme aufsuchen. Auch im benachbarten Roth hat nun eine Notdienstpraxis eröffnet. Ein Interview dazu mit dem Leiter der Notaufnahme Schwabach, Andreas Wilhelm.

Herr Wilhelm, wie beurteilen Sie das Thema Bereitschaftspraxen?

Andreas Wilhelm: „Grundsätzlich halte ich den Weg der KVB für sinnvoll. Auch in anderen Bundesländern wird ähnlich verfahren. Wir weisen seit Jahren auf die zunehmende Überlastung der Notaufnahmen hin. Es muss sich etwas tun. Ich bezweifle allerdings, dass die Bereitschaftsdienstpraxen allein ausreichen werden, um das Problem zu lösen.“

 

Wo sehen Sie die Probleme?

Andreas Wilhelm: „Zunächst einmal sind Bereitschaftspraxen nicht immer optimal an die regionalen Strukturen angepasst. Es heißt, Patienten müssen maximal 30 Minuten Fahrzeit in Kauf nehmen. Ob die Einwohner der Stadt Schwabach und Umgebung den Weg in eine Bereitschaftspraxis nach Roth wählen, muss sich erst noch zeigen.“

 

Aber eine Notfallpraxis, die Ihnen Zeckenbisse und die Behandlung von anderen leichten Erkrankungen abnimmt, müssten Sie doch begrüßen.

Andreas Wilhelm: „Sicher. Aber wir werden weiterhin jeden Patienten, der bei uns klingelt, gründlich untersuchen. Es gilt, eine mögliche schwere Erkrankung oder Verletzung auszuschließen. Ob das zu einer spürbaren Entlastung  der Notaufnahme führt, ist nicht abzusehen.“

 

Schwabach hat keine Bereitschaftspraxis. Enttäuscht?

Andreas Wilhelm: „Wir akzeptieren die Standortwahl der KVB. Leider hat Schwabach keine Bereitschaftspraxis zugesprochen bekommen. Ob sich die Patientenströme weg von den Notaufnahmen hin zu den Bereitschaftspraxen verändern, wird die Zukunft zeigen. Mit einer kurzfristigen Entlastung unserer  Notaufnahme rechne ich nicht. Und wie schon gesagt: Wir weisen auch in Zukunft niemanden ab, sondern sind rund um die Uhr für alle da.“